Anleitung: Einen Rundbogen mauern

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Rundbogen mauern

Früher waren Mauerwerksbögen die einzige Möglichkeit, Öffnungen im Mauerwerk zu überbrücken, wenn über den Maueröffnungen große Lasten getragen werden mussten. Der Rundbogen ist eine geometrisch sehr einfache Bogenform und wesentlich leichter zu Mauern als ein Segmentbogen oder ein Spitzbogen. Nachfolgend wird beschrieben, wie man selber einen Rundbogen mauern kann.

 



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Grundlagen zum Mauern eines Rundbogens:

Bevor man mit dem Mauern eines Rundbogens beginnt, sollte man sich mit dessen Geometrie  befassen. In der Umgangssprache wird häufig jede bogenförmige Mauerwerksöffnung als Rundbogen bezeichnet. Dies ist fachlich nicht korrekt. Daher soll hier kurz der “echte” Rundbogen von einem Segmentbogen abgegrenzt werden. Diese Abgrenzung ist wichtig, da zum Mauern eines Segmentbogens auf Grund der Lastverteilung umfangreiche statische Berechnungen erforderlich sind.

Definition Rundbogen:

Der Radius des Rundbogens beträgt die halbe Spannweite. D.h. der Rundbogen bildet einen Halbkreis, bei dem die Abschlußsteine flach auf dem Bogenpfeiler liegen. Durch diese Bauweise wird die Kraft, die auf den Rundbogen einwirkt, senkrecht auf die Bogenpfeiler übertragen. Die seitlichen Bogenschubkräfte werden dadurch erheblich reduziert. Die seitliche Abstützung des Rundbogens braucht bei weitem nicht so stark ausgebildet werden, wie dies bei einem Segmentbogen der Fall ist.

Definition Segmentbogen:

Ein Segmentbogen sieht eher ellipsenförmig aus. Der Bogen wird durch ein Kreissegment, also einem Teilausschnitt eines Kreises gebildet. Der Rundbogen wird hingegen halbkreisförmig bebaut. Durch die Bauweise des Segmentbogens werden die von oben wirkenden Kräfte seitlich abgeleitet. Daher müssen an den Bogenpfeilern entsprechend strake Widerlager angebracht werden, damit die Peiler nicht weggedrückt werden. Es gilt die Faustregel: Je flacher der Bogen ist, um so größer wird der Bogenschub.

Der Aufbau eines Rundbogens

Wer einen Rundbogen selber mauern will, der sollte sich mit dessen Aufbau auskennen. Im Folgenden werden die wichtigsten Elemente und deren Bezeichnungen erklärt:

  • Die lichte Weite, auch Spannweite genannt, bezeichnet die Breite der Mauerwerksöffnung. Diese wird durch die Auflagepunkte der beiden unteren letzten Scharen (Mauersteine) bestimmt.
  • Die Bogenlaibung bezeichnet die Bogenfront
  • Die Oberseite des Bogens wird Bogenrücken genannt.
  • Als Widerlager bezeichnet man die beiden Bogenaußenseiten. Die Widerlager nehmen den Bogenschub auf.
  • Der Bogenmittelpunkt wird durch einen gedachten Kreis des Bogenausschnittes bestimmt.
  • Der Schlußstein ist der Mauerstein in der Bogenmitte, der beim Bogenmauern zuletzt gesetzt wird.

 



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Den Rundbogen mauern:

Der Rundbogen wird von beiden Seiten (Pfeilern) zur Bogenmitte gemauert. D.h. der Schlußstein wird, wie der Name schon vermuten läßt, als letztes in der Bogenmitte eingesetzt. Da an beiden Seiten immer gleich viele Mauersteine vermauert werden, ist die Anzahl der Steine inklusive des Schlußsteins ungerade. Der Schlußstein muss sehr genau passen. D.h. es kann daher nötig sein, dass dieser je nach Ausbildung der Fugen keilförmig geformt werden muss. Eine keilförmig Form gewährleistet zudem, dass der Schlußstein die Kräfte auf beide Bogenseiten besser ableitet.

Zum Rundbogenmauern werden folgende Materialien und Werkzeuge benötigt:

  • Mauersteine (Scharen)
  • Mauermörtel (bei Verwendung von Natursteinen sollte Natursteinmörtel verwendet werden)
  • Holz für die Schalung
  • Hartfaserplatten zur Beplankung der Schalung
  • Nägel und Schrauben
  • Keile um gleichmäßige Fugenabstände zu gewährleisten
  • Mörteleimer,
  • Rührgerät
  • Mauerkelle und Fugenkelle
  • Maurerhammer
  • Senklot und Richtschnur
  • Stichsäge und Kreissäge zum Sägen der Bogen-Schablone

Schritt für Schritt Anleitung zum Mauern eines Rundbogens

Anleitung: Rundbogen mauern

  1. Als Erstes sollte man einen maßstabgetreuen Bauplan zeichnen. An Hand des Bauplanes kann man dann den Materialbedarf an Mauersteinen berechnen. Aus dem Bauplan können dann auch die Werte zur Fertigung der Bogen – Schablone entnommen werden.
  2. Wenn ein Segmentbogen gemauert werden soll, so müssen entsprechend starke Widerlager gemauert werden. Falls der Rundbogen im Garten gemauert werden soll, so ist ein tragfähiges Fundament erforderlich.
  3. Nun wird die Bogenschabolne bzw. die Bogenlehre gefertigt. Wenn der Rundbogen nicht sehr tief ist, dann reichen Auflagepunkte für die Mauersteine vorne und hinten. Bei stärkeren Bögen muss die Bogenlehre mit biegsamen Hartfaserplatten beplankt werden. Hinweis: Eine Beplankung ist auch bei schmalen Bögen zu empfehlen, damit der Mauermörtel nicht durch die Fugen nach unten fällt.
  4. Mit dem Mauern des Rundbogens beginnt man von beiden Seiten. Zuerst wird ein Fugenbett aus Mörtel hergestellt. Auf diesem Fugenbett werden die beiden ersten Scharen gesetzt. Beim Mauern ist darauf zu achten, dass eine Fugenbreite von 2-3 cm am Bogenrücken nicht überschritten wird. An der Bogenlaibung sollte die Fugenbreite 0,5 cm nicht unterschreiten. Wichtig ist, dass die Fugen mit Fugenmörtel vollständig ausgefüllt werden, da auf dem Rundbogen eine sehr große Last ruht.
  5. Auf die oben beschriebene Weise werden alle Scharen bis zum Schlußstein gemauert. Der Schlußstein wird dann passgenau mit Mörtel eingemauert. Auch hier ist wiederum darauf zu achten, dass die Fugen beim Einmauern des Schlußsteines vollständig ausgefüllt werden.



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Tipps: Die folgenden Punkte sollte man beim Rundbogen Mauern beachten:

  • Das verwendete Baumaterial für den Bogen muß druckfest sein, da auf diesem starke Kräfte einwirken. So kann man Beton- oder lagerhafte Natursteine, Kalkzement- oder Zementmörtel zum Mauern verwenden.
  • Auf Grund der hohen Druckkräfte sind die Fugen besonders sorgfältig auszumörteln. Alle Lagerfugen müssen zum Bogenmittelpunkt zeigen.
  • Mauerwerkbögen müssen im Verband gemauert werden. Dabei werden die gleichen Verbände wie beim Mauern der Bogenpfeiler verwendet
  • Bei der Herstellung der Widerlager ist der Bogenschub zu berücksichtigen.
  • Der Schlußstein wird immer am Scheitelmittelpunkt passgenau  mit Mauermörtel gesetzt.